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29.04.2020

Eine Insolvenz ist derzeit ein zweischneidiges Schwert von Horst von Butlar in Capital vom 29.4.2020

In der Corona-Krise nehmen die Pleiten zu – für manche Unternehmen wird die Insolvenz auch als Ausweg gepriesen. Der Restrukturierungsexperte Michael Keppel warnt, dass es in dieser Krise auch große Risiken geben kann
von Horst von Buttlar
28. April 2020

Im Zuge der Corona-Krise stehen viele Unternehmen vor der Pleite – zahlreiche sind bereits in die Insolvenz gerutscht, darunter bekannte Namen wie die Restaurantketten Vapiano und Maredo, der Modehändler Esprit, der Betreiber von Outdoor-Läden McTREK, der Küchenspezialist Poggenpohl sowie der Damenmode-Filialist Appelrath Cüpper. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts können 29,2 Prozent der Firmen maximal drei Monate überleben, wenn die Corona-bedingten Einschränkungen noch für längere Zeit gelten würden. 52,7 Prozent könnten höchstens sechs Monate überleben.

Die Insolvenz wird in diesen Wochen auch oft als Alternative zum Schutzschirm genannt – zudem hatte die Bundesregierung das Insolvenzrecht gelockert und die Antragspflichten verlängert. Dabei kann eine Insolvenz viele Risiken bergen. Davor warnt der Restrukturierungsexperte Michael Keppel von Keppel Managementpartners, der derzeit den Autozulieferer Eisenmann saniert.

„Eine Insolvenz bietet in diesen Zeiten nicht nur Schutz“, sagte Keppel im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin „Capital“. „Das ist ein zweischneidiges Schwert. Denn es kann in diesen Zeiten schwer werden, eine Insolvenz geordnet durchzuführen. Das System und auch die Behörden sind überlastet, da kann sich beispielsweise der Antrag auf Insolvenzgeld verzögern.“ Auch seien die Zukunftsperspektiven für einen Sanierungsfall derzeit vollkommen unklar. „Das erhöht das Risiko, dass der Insolvenzfall zur Liquidation führt.“

„Unsere Branche wird zum Flaschenhals“
Generell hält Keppel, der auch im Aufsichtsrat des Spirituosenherstellers Underberg sitzt, die Änderung der Rechtslage für angebracht. „Es war richtig, die Antragspflichten und Fristen beim Insolvenzrecht zu ändern. Dennoch müssen wir aufpassen, dass wir jetzt nicht in einen Sog reinkommen.“

Denn es könnte bei einer Pleitewelle auch zu Engpässen bei den Experten kommen, die komplexe Restrukturierungen durchführen können: „Schon jetzt gibt es viele Anfragen von Banken für Restrukturierungen. Unsere Branche wird vielleicht ein Flaschenhals werden. Denn man kann auf solche Projekte nicht unerfahrene oder wenig erfahrende Berater und Manager setzen.“ Auch bei den Banken werde es Engpässe bei den Mitarbeitern geben, um eine Flut von Sanierungsfällen bewältigen zu können. „Im schlimmsten Fall droht vielen Unternehmen dann die Abwicklung.“

Schon vor der Corona-Krise, beobachtet Keppel, stand seine Branche vor der Herausforderung zu entscheiden, welches Unternehmen beziehungsweise welches Geschäftsmodell noch überlebensfähig war. „Viele wurden durch die niedrigen Zinsen auch künstlich am Leben erhalten. Das führt zu einer gewissen Kurzatmigkeit bei der Sanierung.“ Die Unternehmen würden nicht für mehrere Jahre nachhaltig saniert, „sondern oft nur ansaniert und dann verkauft“.

Insofern erwartet Keppel nicht einfach nur „goldene Zeiten“ für seine Branche, was man eigentlich erwarten dürfe: „Ich klopfe da nicht vor Freude auf den Tisch und sage: Toll, da wird viel Arbeit auf uns zu kommen. Das wird eine Welle sein und die Restrukturierungsberater und alle, die in der Sanierung tätig sind, werden an eine Kapazitätsgrenze stoßen.“



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